Pathologische Trauer

Trauer hat viele Gesichter. Wenn Sie einen Verlust erlebt haben oder jemanden kennen der trauert, dann machen Sie sich unbedingt bewusst, dass die Trauer einen Menschen verändern kann. Diese Veränderung ist oft für den Betroffenen selbst sehr befremdlich.

„Den Schmerz um den Verlust eines Menschen nicht verarbeiten können!“

Zu Beginn möchte ich sagen, dass Trauer immer eine individuelle Erfahrung ist. Dieser Eintrag ist nicht dazu da Trauer zu klassifizieren sondern ihre Tragweite zu verdeutlichen. Trauer ist kein Gefühl, was sich unbeachtet in der Ecke abstellen lässt. Sie will gesehen werden.

Trauer kann seelisch, psychisch und physisch krank machen. Man spricht dann von der pathologischen Trauerreaktion. Das Gefühl konnte nicht verarbeitet und der Verlust nicht in das Leben integriert werden. Die Trauer bleibt unbewältigt.

„Der Unterschied zu einem „normalen“ Trauerprozess liegt in der Dauer und Stärke!“

Mögliche Ursachen für eine pathologische Trauerreaktion

In vielen Fällen sind die Todesumstände, bei einer pathologischen Trauerreaktion, sehr traumatisch gewesen. Zum Beispiel bei einem Unfall, einer Katastrophe, einem Suizid oder Mord. Auch der Verlust eines Kindes kann eine traumatische Erfahrung darstellen. Diese Todesfälle geschehen oft unerwartet und plötzlich. Sie wirken von außen ein und lassen den Betroffenen erstarrt im Schock und ohnmächtig zurück. Dieser Tod ist unberechenbar und nicht natürlich. Genau das macht es dann so schwer zu begreifen, was geschehen ist. Da sind die Fragen nach dem Warum? Der Schuld? Dem Versagen? Und dann bleibt nicht mehr viel übrig. Der Schock, die Ohnmacht und die Fassungslosigkeit sind meist nicht nur auf Seiten der Angehörigen sondern auch auf Seiten der Polizei, Seelsorger und Bestatter spürbar.

„Wie kann man erkennen, welchen Verlauf die Trauererfahrung nimmt?“

Symptome

Chronische Trauer

Eine chronische Trauerreaktion zeigt sich durch eine anhaltende Dauer und die fehlende Integration des Verlustes. Der Trauernde ist sich dessen bewusst. Schafft es jedoch nicht aus eigener Kraft die Trauererfahrung zu verarbeiten.

Verzögerte Trauer

Wenn eine Trauerreaktion verzögert auftritt, sind nicht gelebte Gefühle im Zusammenhang mit dem Verlust oft die Ursache. erlebt der Betroffene dann erneut einen Verlust, kann die Trauer sich um so stärker und ausgeprägter zeigen.

Übertriebene Trauer

Diese Trauerreaktion ist heftig und oft ohne professionelle Unterstützung nicht zu bewältigen. Die Verlusterfahrung löst Angstzustände und Panik aus. Oft entwickelt der Betroffene eine krankhafte Angst vor dem Tod. Die Sehnsucht nach dem verstorbenen und die Angst ohne ihn nicht leben zu können bestimmen den Alltag.

Verdrängte Trauer

Eine regelmäßige Reaktion auf verdrängte Trauer sind psychosomatische Symptome. Es ist schwer diese Form der Trauer zu erkennen. In den meisten Fällen ist es den Betroffenen gar nicht bewusst, dass ihr Körper die Verdrängten Gefühle durch Krankheitsbilder kompensiert.

„Trauerarbeit – ein Weg den Verlust und die Liebe zu dem Verstorbenen zu integrieren.“

Ansätze für den Umgang mit pathologischer Trauer

Grundsätzlich ist eine professionelle Unterstützung durch Psychologen und Psychotherapeuten mit Spezialisierung im Bereich Trauer und Trauma sehr ratsam. Das Institut für Trauerarbeit unterstützt bei der Suche nach geeigneten Ansprechpartnern. Das Ereignis des Todes kann eher in die neue Lebenssituation intergriert werden, wenn der Trauernde mit der Zeit den Mut entwickelt, sich den Erfahrungen und Gefühle um den Verlust des Angehörigen bewusst zu stellen.

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

5 Kommentare
  1. Walter @trauerhilfe-denk-ingolstadt.de
    Walter @trauerhilfe-denk-ingolstadt.de says:

    Wie gerade schon erwähnt, großes Kompliment zu der gelungen Website! Diesen Artikel finde ich besonders gelungen. Ich sehe selbst jeden Tag, dass Trauer bei jedem Menschen einen anderen Verlauf nimmt und doch bestimmte Symptome und Parallelen auftreten. Die pathologische Trauer sehe ich auch immer wieder im Zusammenhang mit traumatischen Erfahrungen.
    Liebe Grüße,
    Walter von der Trauerhilfe Denk

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    • Johanna Wilke
      Johanna Wilke says:

      Das erlebe ich auch immer wieder. Ich glaube, dass die Zeit zwischen Tod und Bestattung – die bewusste und persönliche Gestaltung des Abschieds – im Wesentlichen dazu beiträgt, dass auch traumatische Erfahrungen langfristig verarbeitet werden können. Deswegen möchte ich die Menschen mit den Inhalten meines Blogs sensibilisieren und ihnen Handwerkszeug mit an die Hand geben, das sie ermutigt ihr Tempo im Abschiedsprozess zu gehen und ihn mit Hilfe ihrer inneren Stimme zu gestalten. Herzliche Grüße Johanna

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  2. pinar tacsi
    pinar tacsi says:

    danke für die bewegenden eindrücke hier….für mich hat die trauer etwas von einem dunklen himmel an dem sich ein kleiner regenbogen abzeichnet…..dieses gefühl von schwarz, düster und unvermittelt sanfte farben durch die öffnung des himmels….so ähnlich hab ich mich beim lesen des buches “ dem himmel so nah“ (texte zur trauer) geffühlt , vor allem aber verstanden……herzliche grüsse

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    • Johanna Wilke
      Johanna Wilke says:

      Vielen Dank für Dein Bild über die Trauer. Ich finde es auch ganz besonders schön und so voller zarter Hoffnung für ein „danach“ oder „mit“ der Trauer.

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  3. Cleo
    Cleo says:

    Ich habe gerade vor kurzem einen sehr schlimmen Verlust erlebt. Allerdings mehr als Aussenstehende. Ich gehöre nicht zur Familie. Und ich habe niemanden mit dem ich meine Trauer und meine Erinnerungen teilen kann.

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