Mundpflege bei Sterbenden

In diesem Beitrag berichte ich von den verschiedenen Möglichkeiten der Mundbefeuchtung im Sterbeprozess.

Begleiten Sie gerade einen Angehörigen im Sterbeprozess? Und sind Sie auf der Suche nach Unterstützung und Antworten, wenn es um die Fürsorge in den letzten Tagen geht?

„Es ist immer leichter etwas zu tun, als etwas zu unterlassen!“

(unbekannt)

Mundpflege bei Sterbenden

Der Mund eines Menschen ist eine Intimzone und darf nur mit Einwilligung des Sterbenden versorgt werden! Ist ein Mund also verschlossen, darf eine Öffnung niemals erzwungen werden. An dieser Stelle sollte ein Gespräch mit dem Arzt und dem Pflegepersonal das weitere Vorgehen klären.

Die Symptome

In den letzten Tagen und Stunden der Sterbephase entstehen oft Symptome wie Durstgefühl, Borkenbildung im Mundraum oder auch Schmerzen beim kauen, schlucken und sprechen.

Die Ursachen

Die Ursachen dafür können unterschiedlich sein. Oft entsteht Mundtrockenheit jedoch durch die Verabreichung von Medikamenten, der Krankheit selbst oder auch dem vermehrten Atmen durch den Mund.

Wichtig ist an dieser Stelle, dass das Durstgefühl, nicht durch eine gesteigerte Zufuhr von Flüssigkeit aus Infusionen gestillt werden kann. Die Nahrungs – und Flüssigkeitsaufnahme im Sterbeprozess geht stark zurück.

„Essen und Trinken hält Körper und Seele zusammen!“

Im Sterbeprozess löst sich die Seele vom Körper. Eine verminderte Aufnahme von Lebensmitteln wird vom Sterbenden nicht mehr als Mangel empfunden; der Sterbende kann ein Desinteresse entwickeln. Darüber hinaus kann zu viel Flüssigkeit den Körper schmerzhaft belasten und den Übergangsprozess erschweren.

Erleichterung durch Mundbefeuchtung

Um der Mundtrockenheit entgegen zu wirken und Ihrem Angehörigen Erleichterung zu verschaffen, können Sie den Mund befeuchten. Dadurch lindern Sie das Durstgefühl, verringern durch die Befeuchtung der Mundschleimhaut die Borkenbildung und regen zudem den Speichelfluss an.

Die Hilfsmittel

Sie haben auf unterschiedlichste Weise die Möglichkeit Ihrem Angehörigen Flüssigkeit zu zuführen:

  • Glas
  • anatomisch-geformten Schnabelbecher
  • Löffel
  • Spritze
  • Spray
  • Eiswürfel (zerkleinerte)

Eine Vielfalt Flüssigkeiten

Es ist Ihnen freigestellt, welche Flüssigkeit Sie anreichen. Bedenken Sie nur, dass sie Ihrem Angehörigen schmeckt. So können Sie ein Glas mit Wasser oder Tee reichen, ein wenig Saft auf einem Löffel zuflössen, Eiswürfel aus Bier oder Wein zerkleinern und zum lutschen anbieten oder auch kleine Mengen Brühe mit Hilfe einer Spritze in die Wangentasche tropfen. Alle Flüssigkeiten dienen dabei der Befeuchtung der Mundschleimhaut und können so oft, wie es für Ihren Angehörigen gut ist wiederholt werden. Der Schwerpunkt liegt dabei allein auf der Erfrischung des Mundraums, nicht auf der mengenmäßigen Zuführung von Flüssigkeit.

Probieren Sie es selbst aus!

Wenn Sie sich unsicher sind, wie viel Flüssigkeit beim Anreichen gut ist und wie sich die unterschiedlichen Hilfsmittel am Mund anfühlen, dann probieren Sie es an sich selbst aus. Lassen Sie sich diese Flüssigkeiten von einer vertrauten Person anreichen, so spüren Sie, wie es sich anfühlt. Und reichen auch Sie ihm einmal die Flüssigkeiten an, er kann Ihnen mitteilen, wie es sich angefühlt hat. Auf diese Weise bekommen Sie ein Gespür für die richtige Menge und die Handhabung der Hilfsmittel.

Die Anwendung von Fetten

Noch nachhaltiger ist diese Anwendung, wenn Sie verschiedene Fette zur Pflege der Lippen und der Mundschleimhaut anwenden. Dazu gehören z.B.: Butter und Olivenöl. Besonders sanft und pflegend ist das ayurvedische Sesamöl. Es heißt auch „Sesam sei der Schlüssel zur Seele“. Auf diese Weise können Sie starke Borkenbildung verringern und Ihrem Angehörigen eine Erfrischung ermöglichen, die obwohl sie klein ist, eine starke Erleichterung und Entspannung herbeiführt.

Eine Rezeptur

Die Anwendung der folgenden Rezeptur hat eine therapeutische Wirkung und pflegt die Mundschleimhaut nachhaltig:

  • 5 ml Sesamöl (z.B.: von farfalla)
  • 4 Tropfen Mundpflegekonzentrat (z.B.: von Evelyn Deutsch „Mundwasserkonzentrat“)

Zum Auftragen verwenden Sie am besten eine Toothette oder ein Spray. Achten Sie nun darauf, diese Anwendung vor den Zahnreihen zu machen. Führen Sie die Toothette sanft in die Wangentaschen und reiben Sie die Mundschleimhaut vorsichtig mit der Rezeptur ein. Der Mundinnenraum ist sehr empfindlich. Sprechen Sie vor der inneren Behandlung mit dem Pflegepersonal.

Natürlich können Sie die Rezeptur auch einmal an sich selbst ausprobieren. So werden Sie spüren können, wie frisch und weich sich die Mundschleimhaut nach der Behandlung anfühlt!

Nachdem Sie Ihren Angehörigen an diesem Tag fürsorglich begleitet haben, nehmen Sie auch einen Moment Zeit für sich und vielleicht können die folgenden Worte Ihnen dabei helfen zu sich selbst zu kommen:

„Ich versorge mich und tue mir Gutes!“

2 Kommentare
  1. sibylle giese
    sibylle giese says:

    Ich habe die Seite mit grossen Interesse gelesen. Besonders die Beschreibung was eine Sterbeamme ausmacht.Ich habe die Ausbildung bei Claudia in Hamburg gemacht, mur fehlt noch die Abschlussarbeit und mündliche Prüfung.Danke für die Beschreibung der Mundhygiene /Pflege, das kann ich gerade gut brauchen.
    LG Sibylle Giese

    Antworten
    • Johanna Wilke
      Johanna Wilke says:

      Liebe Sibylle Giese,
      vielen Dank für Ihre Worte. Ich wünsche Ihnen viel Kraft auf Ihrem Weg!
      Herzlich Johanna Wilke

      Antworten

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