4. Teil „Bestattungswissen“ – Die Abschiedsfeier

In der fünfteiligen Reihe „Bestattungswissen“ stelle ich Ihnen alle notwendigen Informationen für die Gestaltung einer individuellen und ganzheitlichen Bestattung zur Verfügung.

Im 1. Teil finden Sie einfühlsame Anregungen für den Sterbefall, im 2. Teil erhalten Sie eine Checkliste für ein gutes Beratungsgespräch, im 3. Teil erfahren Sie, welche Bedeutung die Abschiednahme hat, im 4. Teil finden Sie vielfältige Ideen für die Gestaltung der Abschiedsfeier und im 5. Teil bekommen Sie Rat für den Ablauf der Beisetzung.

Was hat die Verstorbene Person aus Ihrer Mitte ausgezeichnet und wie kann ihre Einzigartigkeit in den Mittelpunkt gestellt werden?

Die Abschiedsfeier

Die Abschiedsfeier, ist der Anlass, nach dem Tod eines Menschen, zu dem sich alle Verwandten und Bekannten zusammenfinden, die in einer Beziehung zu dem Verstorbenen standen. Ich werde in diesem Blog – Artikel von der Abschiedsfeier sprechen, gebräuchlicher Weise, wird dieser Anlass aber auch Trauerfeier genannt. Persönlich wünsche ich mir, dass der Tag der Abschiedsfeier, in der Zukunft hoffnungsvoller und lebendiger gestaltet wird. Und in dem Wort Abschied, liegt nun mal, die Hoffnung auf ein Wiedersehen verborgen!

Die Lebensmelodie gibt den Takt an

Aus der kirchlichen Liturgie sind Ihnen vielleicht, die einen oder anderen Bestandteile einer solchen Zeremonie bekannt. Die Trauerfeier ob kirchlich oder weltlich, dient der Achtung und Würdigung des Lebenswerkes einer verstorbenen Person. In diesem Kontext sollte der Rahmen also entsprechend der Lebensmelodie, des Verstorbenen gestaltet werden.

Es gilt kein „muss“ sondern nur ein „kann“!

Ein buntes Fest der Erinnerung

Stellen Sie sich einmal vor, dass dieser Anlass wie ein Fest ist. Das Wort Abschiedsfeier beinhaltet sogar diesen Begriff. Es ist ein Fest in Erinnerung an den Verstorbenen. Alle Menschen, die an diesem Tag zusammenkommen, tragen ihre ganz persönlichen Bilder und Erlebnisse, mit dem Verstorbenen in ihrem Herzen. An diesem, wie an kaum einem anderen Tag, werden nun unendlich viele dieser Erinnerungen lebendig. Da kann man nur sagen: „Was für ein wertvoller Schatz!“.

Abschiednehmen tut weh

Und doch, dieser Tag tut so unendlich weh! Denn er bezeichnet den Abschluss des gemeinsamen Lebensweges. An dieser Stelle, möchte ich Ihnen sagen, dass genau das sein darf! Eine Co-Existenz von Trauer und Liebe! Sie dürfen sich beidem hingeben, den wohltuenden Erinnerungen und den quälenden Schmerzen, die Sie ergreifen!

Die Lieblingsblumen

Wenn man an eine Abschiedsfeier denkt, kommen einem schnell Bilder von unterschiedlich gestalteten Blumenarrangements. In den meisten Fällen, werden auch Blumen ausgewählt, die der Verstorbene gern gehabt hat. Das ist eine wundervolle Art, seine Zuneigung zu zeigen und gleichzeitig möchte ich noch auf weitere Möglichkeiten aufmerksam machen, die in diesem Zusammenhang eine wundervolle Wirkung haben könnten.

Persönliche Gegenstände

Die Persönliche Gegenstände, wie z.B.: Bilder aus dem Leben des Verstorbenen, Sportzubehör von Hobby-Aktivitäten, die Lieblingsmusik, können den Rahmen der Abschiedsfeier individuell unterstreichen. Und so die Persönlichkeit des Verstorbenen nahezu greifbar werden lassen.

Welches Gestaltungselement ist Ihnen wichtig?

Beiträge von Familie und Freunden

Einmalig sind auch persönliche Beiträge von Familie und Freunde oder vielleicht dem Verein oder der Schule. Ich möchte Sie ermutigen, diese Form der Gestaltung näher in Betracht zu ziehen. Der Moment wird auf diese Weise gemeinschaftlich getragen. Auch rückblickend, werden Ihnen diese Gesten viel Trost spenden können.

Abschiedsrituale

Ein einmaliges Ritual ist es, wenn jeder der Gäste einen kleinen Gegenstand, z.B.: einen Edelstein, von der Feier mit nach Hause nehmen kann. Symbolisch gesehen, erinnert der Edelstein an den Verstorbenen, dessen Platz nun leer geworden ist. Er kann den Verlust nicht ersetzen, jedoch bewusst machen, dass der Platz im Herzen niemals leer sein wird. Dieses Ritual orientiert sich vermehrt an den Hinterbliebenen, in dem ihnen auf ihrem Trauerweg ein kleiner Begleiter zur Seite steht.

Ein wundervolles Ritual, dass sich hingegen mehr an den Verstorbenen auf seiner Reise richtet, ist das Verfassen kleiner Briefe. Jeder der Gäste schreibt einen oder auch mehrerer Wünsche und Gedanken, für die verstorbene Person auf einen Zettel. Dieser wird dann in einer Schale mit den anderen gesammelt. Am Ende der Feier werden die Wünsche in den Sarg gelegt oder aber in der Schale verbrannt!

Ein Rahmen schaffen durch Worte und Musik

All diese Gestaltungselemente werden durch verschiedene Musikstücke, ob live oder von der CD, und von einer Ansprache durch einen Trauerredner, einen Geistlichen oder die Familie selbst eingerahmt.

Eine Trauerfeier muss weder groß, noch teuer sein! Eine Trauerfeier sollte einzigartig und authentisch sein und was das für Sie bedeutet, dürfen Sie ganz persönlich für sich entscheiden. Der BestatterIn hat die Aufgabe Sie dabei zu unterstützen!

Im 5. und letzten Teil der Reihe „Bestattungswissen“ möchte ich Ihnen verschiedene Anregungen für die Gestaltung der Beisetzung geben.

 

4 Kommentare
  1. Birgit Aurelia Janetzky
    Birgit Aurelia Janetzky says:

    Liebe Frau Wilke,

    vor kurzem habe ich entdeckt, dass Sie diesen Blog gestartet haben. Sie greifen wichtige Themen auf, Sie helfen Menschen den Abschied selbstbestimmter zu gestalten. Ein kleines Ritual, dass in meinen Abschiedsfeiern die Menschen gerne aufgreifen, möchte ich noch hinzufügen: Zu Beginn der Feier kann jeder eine Kerze entzünden (Teelichter, Schwimmkerzen, dünne Stabkerken in Sandschale – je nach Vorliebe und Praktikabiliät). Man kann aktiv etwas tun. Die vielen Lichter geben Wärme. Vor kurzem hatte ich eine Feier, da wurde für jedes Lebensjahr der verstorbenen jungen Frau eine Kerze entzündet, wenn man das in der Rede aufgreift, ist sofort eine Verbindung geschaffen.

    Ich wünsche Ihnen viele Leserinnen und Leser für Ihre Beiträge.
    herzliche Grüße,
    Birgit Aurelia Janetzky

    Antworten
    • Johanna Wilke
      Johanna Wilke says:

      Liebe Frau Janetzky,

      vielen Dank für Ihr Feedback und Ihren bereichernden Beitrag. Das „Kerzenritual“ ist wirklich etwas Besonderes. Es freut mich sehr, dass Sie diese Seite unterstützen.

      Herzliche Grüße
      Johanna Wilke

      Antworten
  2. Katharina Ziegler
    Katharina Ziegler says:

    Liebe Frau Wilke und alle anderen, die hier mit lesen,

    es ist schön, dass Sie Wert darauf legen, Abschiedsfeiern persönlich und individuell zu gestalten und Menschen dazu ermuntern, es ebenfalls zu tun. Meine Erfahrung ist, dass es noch zu wenig Mut gibt, in diese Richtung zu denken und zu gehen. Da braucht es viel Ermutigung, und zwar sowohl bei den Betroffenen selbst als auch bei den beteiligten Bestattungsinstituten.
    Wenn ich Trauerfeiern gestalte, dann ist mir das Zusammenspiel von Außen und Innen, von Form und Inhalt ein großes Anliegen. Wenn das Ritual selbst persönliche Elemente wie Gegenstände oder Musikstücke enthält, die sich in der Trauerrede aufgreifen lassen, dann ist das ebenso hilfreich, wie wenn das sehr Persönliche und Individuelle des Abschieds von einer verstorbenen Person in der Rede zum Ausdruck kommt und in eine passende Handlung hinein fließt (etwa dem Entzünden von Kerzen, einem Fingerabdruck jedes Trauergastes auf dem Sarg oder was auch immer dazu geeignet ist, einen persönlichen Bezug herzustellen…).

    Tragende Rituale, die stimmig sind und an die die Trauernden trotz des Schmerzes sehr gerne zurück denken („Ja, das war gut so!“), tragen ihren guten Teil zur Bewältigung des Verlustes bei.

    Danke für Ihren Beitrag!

    Herzliche Grüße,

    Katharina Ziegler von „LebensWert online“

    Antworten
    • Johanna Wilke
      Johanna Wilke says:

      Liebe Katharina Ziegler,

      Ihr Beitrag hat mich berührt und es freut mich sehr zu hören, dass Sie ebenfalls Menschen auf Ihrem Weg Abschied zu nehmen ermutigen, persönlich zu werden und authentisch zu sein. Es ist so wichtig, gerade in der Zeit zwischen Tod und Bestattung, mutige und ermutigende Menschen an der Seite zu haben, die einem helfen, dem eigenen Bedürfnis Ausdruck zu verleihen und einen geschützten Ort für all die Gefühle zu schaffe, die sich in dieser Zeit zeigen wollen. Wie schön, dass es Sie gibt.

      Herzliche Grüße zurück,
      Johanna Wilke

      Antworten

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